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Monika Kapfer, Frank Maier, Martina Salzberger "Debutanten" 1976
Galerie:Galerie der Künstler
Künstler:Kapfer, Monika Maier, Frank
Salzberger, Martina
Zeit:10.09.2005 - 07.10.2005


Ausstellungs-Informationen
Mit Förderreihen wie „Die ersten Jahre der Professionaliät“ und „Debutanten“ ist die GALERIE DER KÜNSTLER zu einem bedeutenden Forum für junge Kunst in München geworden. In jedem Jahr werden drei vielversprechende Künstlerinnen und Künstler von der Ausstellungskommission des Berufsverbands Bildender Künstler in München und Oberbayern als „Debutanten“ ausgewählt. Neben der Möglichkeit zur Präsentation neuester Werke erscheinen auch drei Einzelkataloge, die das künstlerische Schaffen der Geförderten erstmals ausführlich dokumentieren. Unterstützt wird diese Nachwuchsreihe des Berufsverbands Bildender Künstler in München und Oberbayern durch den Bayerischen Staat und die LfA Förderbank Bayern.


Monika Kapfer
* 1970 in München; 1993-2001 Studium und Diplom an der Akademie der Bildenden Künste München bei Helmut Sturm, Julião Sarmento und Günther Förg; 2004 Preis der Stiftung Villa Romana; 2000 harras, Wohnungsausstellung bei Gunna Schmidt, München; 2001 insert, Galerie Fahnemann, Berlin, zusammen mit Gunna Schmidt und Daniela Trixl; 2003 Körnerstr. 3, zusammen mit Ulla Rossek, München; 2004 CNR, Melbourne; changing rooms, Lothringer13, München.
Für ihre Installationen aus Papprollen, Holzplatten oder Tischen verwendet Monika Kapfer Fundstücke aus verschiedenen Kontexten, die sie mit eigens hergestellten, teils mit Acrylfarbe bemalten Objekten kombiniert. Wie begehbare Stillleben wirken diese Rauminstallationen, die aus schmalen, zylindrischen Formen, kugelartigen Gebilden und monochromfarbigen Flächen zusammengesetzt sind. Im Zusammenspiel erzeugen die Gegenstände unterschiedlicher Herkunft mit ihren verschiedenen Formen, Oberflächen und Farben eine Art räumliches Bildfeld, das die Wahrnehmungsfähigkeit des Betrachters sensibilisiert. Bruchstückhaft verweisen diese Versuchsanordnungen auch auf den Formenkanon der klassischen Moderne, aber auch auf die Pop Art und die Malerei des Colour-Field-Painting oder des Shaped Canvas. In kleinformatigen Buntstiftzeichnungen, die seit 2003 den Schaffensprozess kontinuierlich begleiten, lässt sich die Künstlerin von Erinnerungen und Referenzen aus dem täglichen Leben inspirieren, die sie auf das Potenzial ihrer Form und Farbigkeit hin untersucht. Bereits mit den „Markierungen“ griff Monika Kapfer in unserem von Bildern und Klischees verstellten Wahrnehmungsfeld auf alltägliche Formen wie Signets oder Schriftzüge zurück, die sie malerisch oder zeichnerisch direkt in die Wände eines Raumes einschrieb. In ihrer Schlichtheit und Prägnanz zielen die kalkulierten Eingriffe der Künstlerin darauf ab, unsere Wahrnehmung von Orten und Gegenständen zu verändern.


Frank Maier
*1966 in Stuttgart; 1989-1995 Studium und Diplom an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Meisterschüler bei Harald Klingelhöller; 2003 Niemand, sub 11, München; 2005 Christoph Lohmann & Frank Maier, Galerie Ben Kaufmann, München.
Eine Grundsatzfrage, die derzeit wieder von höchster Aktualität in der Gegenwartskunst ist, nämlich jene nach dem Begriff der Skulptur, beherrscht das Arbeitsfeld von Frank Maier. Dabei wird ein ganzes Repertoire an Ausdrucksformen bedient: Maier modelliert organische, meist vertikal aufstrebende Objekte aus Gips oder fügt Holzlatten zu neuen, dynamischen Konstruktionen zusammen. Die Ergebnisse werden als dreidimensionale Objekte und collageartige Rauminstallation präsentiert. Mit der Erweiterung des Skulpturenbegriffs zur Installation oder zum Ensemble hat sich seit den 1960er Jahren eine neue Form der Skulptur entwickelt. Die Infragestellung des klassischen Werkbegriffs manifestiert sich in künstlerischen Konzeptionen, die programmatisch auf Kontextualisierung ausgerichtet sind und neue Handlungsräume erschließen. Eine konstruktivistisch anmutende Malerei begleitet beispielsweise das Schaffen Frank Maiers, die sich mit den plastischen Arbeiten zu einer utopischen Modellwelt fügt. Jedoch nicht allein das den Raum definierende künstlerische Arrangement ist prägend, vielmehr stellt Frank Maier dezidiert den singulären skulpturalen Körper wieder in den Mittelpunkt. Konsequent wird deshalb die klassische Sockelpräsentation in die speziell für den Ausstellungsraum entworfenen Kompositionen mit einbezogen. Die verhalten gegenständliche Formensprache betont den ursprünglich bildhauerischen Akt des Aufbauens und Modellierens, behält sich aber gleichzeitig die Möglichkeit situationsspezifischer Eingriffe vor. Die Experimentierfelder der aktuellen autonomen Plastik im Blick, folgt Frank Maier einer inneren Logik, die aus dem plastischen Gestalten heraus entsteht. Die formale, skulpturale Struktur des Werkes, die Bildhaftigkeit und die Betonung sinnlicher Erfahrung wie haptischer Qualität bezieht daraus neue Erfahrungswerte.

Martina Salzberger
*1972 in Kötzting; 1995-2002 Studium und Diplom an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Axel Kasseböhmer; Auslandsstudium an der Académie Royale des Beaux-Arts, Brüssel sowie an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris; 1998 1. Preis Akademieverein; 2000 DAAD-Stipendium für Paris; 2002 Projektstipendium der Landeshauptstadt München; 2003 DAAD-Postgraduierten-Stipendium für New York; 2000 50 Jahre DAAD, Kunstmuseum Bonn; 2001 Ambiance Magasin, Centre d’Art Contemporain de Meymac; 2003 social fabric, Lothringer13, München; 2005 Allein Schon, Cordonhaus Cham, zusammen mit Stefanie Trojan.
Martina Salzberger fotografiert sich umarmende Paare allein im Wald, mitten im Park oder auf der grünen Wiese. Beim genauen Hinschauen entlarvt sich jedoch die Inszenierung der Fotos aus der Serie „Liebhaberhandpuppen“: Arme und Hände gehören zu ein und derselben Person, die sich selbst mit Hilfe einer Handpuppe umarmt. Ein Stück Ärmel steht als Kleiderhülle stellvertretend für das Gegenüber und dient in der Selbstliebkosung als Prothese für den fehlenden Liebhaber. Die unterschiedliche Wahrnehmung der im Foto inszenierten Person, mal als Einzelne, mal als Paar in sonst menschenleerer Landschaft befragt die Sehnsucht nach Zweisamkeit und den Umgang mit dem Alleinsein. Martina Salzbergers Handpuppen wie auch die von der Künstlerin entworfenen Kleidungsstücke leben von ihrem potenziellen Gebrauchswert. Indem sie die Funktionalität der Gegenstände jedoch ad absurdum führt, entlarvt sie bestimmte Verhaltensmuster und fordert die gesellschaftliche Realität durch neue Handlungsanweisungen heraus. In ihrer neuesten Werkserie lässt Martina Salzberger Handpuppen zusammen mit einer realen Hand im spielerischen Gegeneinander antreten. Das Fingerspiel dient dazu, das Aufeinandertreffen zweier Möglichkeiten buchstäblich durchzudeklinieren und den Verhaltensraum des Möglichen auszutesten. Die Künstlerin greift dafür auf einen Trick zurück, der ihr bei tschechischen Filmen begegnet ist. Dort wird mittels „Stop Motion“ aus einzeln aufgenommenen Bildern ein Bewegungsablauf montiert. Die hier als bloße Gesten und Rituale vorgeführten Fingerformationen vermögen in ihrer Anordnung als filmisches Tableau wie eine Wahrscheinlichkeitsrechung Aufschluss über die unerschöpflichen Optionen eines Spielverlaufs zu geben.

Patricia Drück